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Fragen, die Widerstand erzeugen -Kommunikation neu gedacht

  • martengbr
  • 5. Aug.
  • 2 Min. Lesezeit

Lukas wird aus dem Kindergarten abgeholt. Die Mutter freut sich, ihn zu sehen und

begrü.t ihn mit der Frage: „Lukas, willst du schon mal deine Schuhe anziehen?“

Für Lukas ist die Sache klar: „Nein“, antwortet er auf die Frage seiner Mutter.

Auf der anderen Seite der Garderobe hat Frida ihre Schuhe bereits an. Ihre Mutter

wendet sich an sie mit der Frage: „Frida, wollen wir nach Hause gehen?“ Frida hat sich

schnell entschieden: „Nein“, sagt sie und läuft zurück in ihren Gruppenraum. Fridas

Mutter ist irritiert und versucht Frida zu überzeugen: „Aber Frida, wir wollen doch noch

zum Spielplatz und außerdem wartet der Papa zu Hause schon auf uns.“

Beide Mütter haben ihren Kindern eine Frage gestellt. Und beide Kinder haben diese

Frage beantwortet. In beiden Fällen war die Antwort NEIN.

Machen wir uns bewusst: Eine Frage ist eine sprachliche Äußerung, mit der sich

jemand an eine Person wendet und auf die er eine Antwort erwartet. Egal, wie diese

Antwort lautet, der Fragende muss jetzt damit umgehen.

Im sprachlichen Alltag von uns Erwachsenen haben sich eine Vielzahl von Fragen

eingeschlichen. Teilweise tauchen sie unbemerkt auf und erschweren uns das Zusammenleben mit Kindern.


In meiner täglichen Praxisarbeit stelle ich immer wieder fest, dass Eltern mit ihren

Fragen nett und freundlich sein möchten. Das ist durchaus nachvollziehbar, aber eine

Frage impliziert nicht automatisch Freundlichkeit.

Eine Frage erfordert vom Gegenüber eine Antwort und diese Antwort setzt eine Entscheidung

voraus. In unserem Beispiel handelt es sich um geschlossene Fragen, die

nur mit JA oder NEIN beantwortet werden können. Die Gefahr, dass der Gefragte nein

sagt, liegt somit bei 50 %. Eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, wenn wir uns bewusstmachen,

dass bei einem Nein eine Diskussion in Gang gesetzt wird, die sich kein

Erwachsener wünscht.

Machen wir es uns im Alltag leichter und formulieren wir Aufforderungen statt Fragen.

Eine Aufforderung ist demnach eine sprachliche Äußerung, mit der sich jemand an

eine Person wendet, um eine konkrete Handlung zu initiieren. Und hier liegt die Betonung

auf der konkreten Handlung. Genau das ist doch unser Ziel.

Unsere beiden Mütter formulieren zukünftig besser folgende Anweisungen:

„Lukas, wir gehen. Zieh bitte deine Schuhe an!“ und „Frida, wir gehen jetzt nach

Hause. Papa freut sich schon auf dich.“

Die Hilfe zur Selbsthilfe: Ich formuliere Aufforderungen und stelle eine Frage nur

dann, wenn ich ein NEIN als Antwort auch akzeptieren kann.

Fazit:

Wer klar formuliert und nur dann fragt, wenn ein Nein wirklich okay ist, spart

Diskussionen, schont die Nerven und bringt wieder Ruhe in den Alltag mit Kindern. Ulrike Marten-Öchsner

 
 
 

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