Wenn Berührung zur Herausforderung wird: Hautüberempfindlichkeit und ihre Auswirkungen im Alltag
- martengbr
- 5. Aug.
- 2 Min. Lesezeit
PRAKTISCHE TIPPS FÜR DEN UMGANG MIT KINDERN

Hautüberempfindlichkeit bedeutet, dass das Kind auf Berührungen, Stoffe, Temperatur,
Nähe zu Personen oder andere Reize auf der Haut stärker reagiert als andere Kinder.
Dies kann sich u.a. durch Unruhe, häufiges Kratzen, das Vermeiden bzw. die vehemente
Vermeidung bestimmter Kleidung oder die Ablehnung der Auseinandersetzung mit
bestimmten Materialien äußern. Flucht und oder Vermeidung von Körperkontakt sowie
erhöhte Anspannung in sozialen Situationen sind die Folge.
1. Reizüberflutung durch alltägliche Sinneseindrücke
• Kinder mit Hautüberempfindlichkeit nehmen taktile Reize (z. B. Kleidung,
Temperatur, Berührungen) viel intensiver wahr.
• Was für andere „normal“ ist – z. B. ein Etikett im T-Shirt oder eine Berührung –
kann für diese Kinder unangenehm oder sogar schmerzhaft sein.
• Das Nervensystem ist ständig damit beschäftigt, diese Reize zu verarbeiten
oder abzuwehren, was Energie und Aufmerksamkeit bindet.
2. Ständige Ablenkung
• Kinder sind oft so mit dem Unwohlsein durch Hautreize beschäftigt, dass sie sich
kaum auf schulische Aufgaben oder soziale Interaktionen konzentrieren können.
• Beispiel: Ein Kind stört sich dauerhaft an der Naht in der Socke – dadurch kann
es dem Unterricht kaum folgen.
3. Erhöhte Reizbarkeit und Verhaltensauffälligkeiten
• Die dauerhafte Überreizung kann zu:
# Frustration
# Gereiztheit
# Rückzug oder
# impulsivem Verhalten führen.
• Manche Kinder zeigen aggressive oder ablehnende Reaktionen auf Berührungen
oder bestimmte Materialien (Sand, Wolle, klebrige Substanzen).
Hochsensibilität – mehr als nur Überempfindlichkeit
Viele hochsensible Kinder haben eine besonders feine Wahrnehmung und nehmen mehr
Details und Reize aus ihrer Umgebung auf. Das ist keine Krankheit, sondern eine Begabung - die aber auch zu Überforderung führen kann, wenn die Umwelt nicht angepasst ist.
Wie können Erzieher:innen helfen?
• Wahrnehmen und verstehen: Beobachten Sie, ob Kinder auf bestimmte
Kleidung, Berührungen oder Geräusche besonders reagieren.
• Umgebung anpassen: Weiche, angenehme Kleidung, ruhige Räume und
Rückzugsmöglichkeiten helfen.
• Rituale und Pausen: Regelmäßige Entspannungsphasen und kleine Auszeiten
geben den Kindern die Chance, sich zu regenerieren.
• Aufklärung: Erklären Sie Familien und Kolleg:innen, warum manche Kinder
sensibler sind, um Missverständnisse zu vermeiden
Fazit: Kinder mit Hautüberempfindlichkeiten sind nicht „ungezogen“ oder „faul“. Sie
brauchen Verständnis und Unterstützung, damit sie ihre Stärken entfalten können.
Wenn wir ihre Bedürfnisse ernst nehmen, fördern wir nicht nur ihre Konzentration,
sondern auch ihr Wohlbefinden und ihre Freude am Lernen und Zusammenleben.
Ulrike Marten-Öchsner



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